Waldboden ist Boden des Jahres 2024

Collage verschiedener Waldbodentypen und Bodenexperte Dr. Peter Hartmann von der FVA FVA BW/Christian Hanner

Verschiedene Waldbodentypen/ Dr. Peter Hartmann

Im Wald geht der Blick meist hoch zu den Baumkronen. Im kommenden Jahr rückt aber der Boden unter unseren Füßen in den Fokus: Ein Kuratorium, das aus der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, dem Bundesverband Boden und dem Ingenieurtechnischen Verband für Altlastenmanagement und Flächenrecycling besteht, hat den Waldboden zum Boden des Jahres 2024 ernannt. An der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) wird intensiv zum Waldboden im Land geforscht – unter anderem durch Dr. Peter Hartmann aus der Abteilung „Boden und Umwelt“.

Herr Hartmann, Sie beschäftigen sich seit 20 Jahren mit dem Waldboden. Was ist das Besondere an ihm?

Dadurch, dass oftmals seit Jahrhunderten Wald auf dem Boden steht, hat Waldboden ganz andere Eigenschaften als zum Beispiel der Ackerboden, der jedes Jahr gepflügt und gedüngt wird. Ein Waldboden ist in der Regel sehr ungestört, sehr locker gelagert und Lebensraum für sehr unterschiedliche Arten – nicht nur für Bäume, sondern auch für andere Pflanzen und für Tiere.

Und wie geht es dem Waldboden in Baden-Württemberg?

Seit den 1980er-Jahren führen wir an der FVA ein umfangreiches Bodenmonitoring durch. Grund ist die Bodenversauerung in den 1970er- und 1980er-Jahren. Das Thema steht heute nicht mehr so stark im Vordergrund, aber die Böden sind noch immer davon geprägt. Man sieht, dass der Nährstoffverlust an manchen Standorten noch fortschreitet, an anderen ist er dagegen zum Erliegen gekommen.

Was hat die Übersäuerung der Böden mit dem Nährstoffverlust zu tun?

Säure nimmt auf ihrem Weg durch den Boden Nährstoffe wie Kalzium, Magnesium oder Kalium mit. Sie werden ausgewaschen und stehen nicht mehr zur Verfügung. Das Problem ist außerdem, dass neben dem Nährstoffverlust toxische Bestandteile freigesetzt werden. Je saurer ein Boden nämlich ist, desto mehr Aluminium wird frei. Das ist ab einer gewissen Konzentration giftig für Wurzeln, Regenwürmer und andere bodenbelebende Arten.

Wie steht es um Stickstoffeinträge in den Boden?

Stickstoff ist nach wie vor ein großes Problem. Durch die übermäßigen Einträge verändern sich die Waldökosysteme, Trinkwasser wird belastet und die Bodenversauerung schreitet voran.

Aber er fördert auch das Wachstum?

An Standorten, an denen es keinen Mangel an Nährstoffen und Wasser gibt, kann das Ökosystem in der Regel gut mit einem Stickstoffeintrag umgehen. Aber an nährstoffarmen Standorten wird das System gestört, weil bestimmte Pflanzen durch das verstärkte Wachstum dann dominieren und am Standort natürlich vorkommende Pflanzen verdrängen.

Welche Rolle spielt der Waldboden für das Trinkwasser?

Waldböden sind unsere wichtigsten Wasserfilter und -speicher und für das Trinkwasser entscheidend. Auch hier zeigt sich übrigens ein starker Stickstoffeintrag in die Wälder als problematisch: Die Böden können viel Stickstoff aufnehmen, aber eben nicht allen. Dann besteht die Gefahr, dass er weiter ins Trinkwasser wandert.

Beim Thema „Waldboden“ ist auch der Hinweis auf Bodenverdichtung meist nicht weit. Welche Rolle spielt hier die Waldwirtschaft mit ihren teils schweren Maschinen?

Verdichtung bedeutet, dass der Waldboden zusammengedrückt wird. Dass Bodenverdichtung schlecht ist, ist längst bekannt. Die Befahrung des Waldes ist für Bewirtschaftung aber notwendig. Daher gibt es Konzepte, die verbindlich festlegen, dass eine Befahrung sich nur auf die Rückegassen zu konzentrieren hat. Es sind feste Rückegassen-Systeme zu etablieren und auf dem Rest der Fläche sollte keine Befahrung mehr stattfinden.

Lässt sich eine Verdichtung denn rückgängig machen?

Wenn nur der Oberboden betroffen ist, dann kann er wieder gelockert werden – etwa durch Vegetation. Auch Frost und Austrocknung können eine Verdichtung auflockern, sodass wieder Poren entstehen, die für Belüftung und Wasserfluss sorgen. Ganz wichtig sind auch Regenwürmer und andere Bodenbewohner, die den Boden durchkauen und durchwühlen. Je tiefer die Verdichtung aber stattgefunden hat, desto irreversibler wird sie.

Welche Rolle spielt der Klimawandel für die Bodengesundheit?

Wassermangel ist bei diesem Thema inzwischen offensichtlich. Im Oberrheingraben ist es in den vergangenen Jahren zum Beispiel noch trockener geworden, als es ohnehin schon war. Dort sehen wir außerdem eine Anreicherung an organischer Substanz, weil die Bodenlebewesen aufgrund der Trockenheit einfach nicht mehr so aktiv sind. Dadurch kommen Nährstoffe bei den Wurzeln langsamer an.

Was erhoffen Sie sich aus der Ernennung des Waldbodens zum Boden des Jahres 2024?

Ich hoffe, dass er dadurch stark ins Bewusstsein der Gesellschaft rückt – und dadurch natürlich auch in der Politik. Unsere Forschung bietet die Grundlagen für eine gesicherte Bewertung des Zustands unserer Waldböden im Land. Mit mehr Ressourcen würden wir natürlich noch mehr schaffen.

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