Gesamtkonzeption Waldnaturschutz


1. Hintergrund 

Naturschutz umfasst aus der fachdisziplinären und gesetzlichen Warte die Themenbereiche Artenschutz, Flächenschutz, Prozessschutz, Biodiversitätsschutz, Schutz abiotischer Ressourcen, die Sicherung biologischer Grundfunktionen, Mitwirkung bei der Steuerung der Landnutzung und landschaftsbezogene Erholung. Naturschutz ist vorrangig kein (natur)wissenschaftlicher Begriff, sondern ein gesellschaftlich-politisch geprägtes, normatives Leitbild. Das Verständnis von Naturschutz variiert im Laufe der Zeit entsprechend bestehender Wertvorstellungen. Demnach verlangt Naturschutz einen ständigen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess, in dem die darauf beruhenden Bedingungen, Wertvorstellungen und Vorannahmen analysiert und dargelegt werden müssen.

Um den naturschutzfachlichen Ansprüchen gerecht zu werden, erfolgt bislang im Staatswald Baden-Württemberg die Umsetzung spezieller Naturschutzaspekte und Programme wie z.B. das Alt- und Totholzkonzept, die Waldbiotopkartierung, die Schutzgebietsprogramme (z.B. Ausweisung von Bann- und Schonwäldern), die Natura 2000-Gebiete oder der Auerhuhnaktionsplan. Von Seiten der Forstwirtschaft sowie auch des Naturschutzes gibt es jedoch keine umfassende Gesamtkonzeption zum Waldnaturschutz. Vielmehr existieren Teilstrategien, Naturschutzleitlinien und Einzelforderungen, die parallel nebeneinander stehen ohne auf vorhandene Konflikte und Synergien einzugehen.

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2. Projektziel 

Die aktuell entwickelte Gesamtkonzeption Waldnaturschutz hat zum Ziel, 
- die wichtigsten Handlungsfelder im Waldnaturschutz in Baden-Württemberg zu identifizieren,
- die verschiedenen für den Staatswald bereits bestehenden Bausteine des Waldnaturschutz ausgewogen zusammenzuführen und dabei 
- konkrete Handlungsempfehlungen und -maßnahmen zur Integration des Waldnaturschutzes in die multifunktionale Waldwirtschaft von ForstBW zu erarbeiten. 

Dabei erfolgt eine klare Positionierung von ForstBW in Bezug auf Waldnaturschutz, ausgearbeitet in Form einer "Argumentationslinie Waldnaturschutz" zur internen und externen Kommunikation. Das Akzeptanzmanagement in der Öffentlichkeit und für die ForstBW-Beschäftigten ist ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Projektes. Gerade im Naturschutz sind argumentativ geleitete Diskurse eine zentrale Legitimationsgrundlage für Entscheidungen. Im Rahmen der Konzeptionsentwicklung findet daher eine umfassende Konsultation von ForstBW-Beschäftigten sowie von Vertretern des Naturschutzes und weiteren relevanten Stakeholdern statt. 

Die Gesamtkonzeption hat den Anspruch möglichst einfach, konkret, transparent und praktikabel zu sein und muss die ökonomischen Prinzipien berücksichtigen. Die Umsetzung der so entwickelten Gesamtkonzeption erfolgt im Rahmen des Strategischen Nachhaltigkeitsmanagements, dem Grundfundament von ForstBW.

3. Zeitrahmen und bisheriger Verlauf 

Beginn des Projekts "Gesamtkonzeption Waldnaturschutz" war Januar 2011. Die Verabschiedung der Gesamtkonzeption durch die Geschäftsführung von ForstBW ist für Juli 2012 vorgesehen, eine Beschlussvorlage für das Landeskabinett wird für September 2012 angestrebt. 

Schema mit dem Projektverlauf

Um die Gesamtkonzeption auf einer aktuellen, möglichst umfassenden Wissensgrundlage entwickeln zu können, arbeitet das Projektteam der FVA seit Beginn des Projekts an einer Situationsanalyse. Sie dient im Wesentlichen der Erfassung der aktuell bestehenden, naturschutzfachlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen mit Bezug auf den Wald (z.B. normativ, rechtlich, partizipativ) sowie einer Ermittlung der vorhandenen naturschutzrelevanten Potentiale (z.B. Ist-Zustand im Staatswald Baden-Württemberg, bereits bestehende Ansätze, aktueller Diskurs). Auf ihrer Basis sollen im Projekt zu führende Diskussionen und Abwägungen stattfinden. Damit bietet sie die Grundlage für das kontinuierliche und transparente Nachvollziehen der innerhalb des Projekts getroffenen Entscheidungen.

Als ein zentraler Beitrag zur Situationsanalyse fand am 29. Juni 2011 die Auftaktveranstaltung "Bausteine und Strategien im Waldnaturschutz" in Freiburg statt. Dieser Workshop bot den über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine erste Möglichkeit sich an der Entwicklung der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz zu beteiligen. Ziel der Veranstaltung war die Erfassung der Ansichten, Meinungen und Erfahrungen der Teilnehmenden sowie die Diskussion möglicher Umsetzungs- und Lösungsansätze. Neben dem sehr wichtigen Wissensgewinn für das Projekt diente diese Veranstaltung auch der Bewusstseinsbildung z.B. für fachliche Problemstellungen und die Vielzahl der Interessenkonflikte. Es wurden u.a. die Themen Prozessschutz, Spezielles Arten- und Gebietsschutzmanagement, naturnahe Waldwirtschaft und Biotopverbund diskutiert. 

Eindrücke aus der Auftaktveranstaltung "Bausteine und Strategien im Waldnaturschutz" am 29. Juni 2011: 

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Die Ergebnisse des Workshops werden derzeit vom Projektteam ausgewertet und in Kürze auf dieser Seite abrufbar sein. 

4. Weitere Beteiligungsmöglichkeiten 

Ausgehend von dieser Wissensgrundlage erfolgt bis Februar 2012 die Entwicklung des Rahmens der Gesamtkonzeption Waldnaturschutz durch das Projektteam und eine projektbegleitende Arbeitsgruppe (Mitglieder aus rechtlichen, naturwissenschaftlichen und normativen Bereichen sowie aus der Praxis des Naturschutzes und der Forstwirtschaft). Im Rahmen eines umfassenden Online-Beteiligungsverfahren haben alle am Wald Interessierten im Februar/ März 2012 die Möglichkeit, sich über bisherige Ergebnisse zu informieren und den erarbeiteten Konzeptionsrahmen zu diskutieren. 

Abschließend findet im Mai 2012 ein weiterer, für alle Interessierten offener Workshop statt, in welchem die Ergebnisse der Online-Beteiligung mit den Teilnehmenden diskutiert und abgeglichen werden. 

Wünschen Sie weitere Informationen zum Projekt können Sie uns gerne kontaktieren:
Thomas Waldenspuhl
Britta Hartard