Erhalt und Entwicklung naturnaher Bachläufe im Wald (DBU-Projekt)

Erste Ergebnisse
[ Home ]   [ Projekt Info ]    [ Vorträge / Berichte ]    [ Veranstaltungen / Schulungen ]    [ Kontakt ]

Im Rahmen des Vorläufer-Projekts "Gewässerentwicklung im Wald" wurden Untersuchungen zur Gewässergüte, Zoobenthosgemeinschaft und dem Fischbestand durchgeführt. Ziel der Untersuchungen war es, Defizite von Fliessgewässern in bewirtschafteten Waldgebieten herauszuarbeiten, um darauf gezielt reagieren zu können. Die Untersuchungsgewässer befinden sich in Forstgebieten, die einen repräsentativen Querschnitt der baden-württembergischen Naturräume wiedergeben.

Als Ergebnis der Untersuchung konnte an den Waldgewässern eine biologische Gewässergüte der Stufe II (mäßig belastet) und besser nachgewiesen werden. D.h. es sind kaum Belastungen durch anthropogenen Nährstoffeintrag in diesen Gewässern vorhanden, bzw. können durch die intakte Selbstreinigungskraft der Systeme bewältigt werden. Alle untersuchten Bäche sind dagegen durch den Bau von Gewässerquerungen für Fahr- und Maschinenwege in einem Zustand, der bezüglich der Gewässerstruktur streckenweise als naturfern eingestuft werden musste. Deutliche Defizite zeigt die Durchgängigkeit der Gewässersohle. Durch Bauwerke wie Verrohrungen und Abstürze werden die Habitate von Fischen und Krebsarten in isolierte Teillebensräume zerschnitten und können trotz einer sonst hohen Lebensraumqualität eingeschränkt bzw. nicht besiedelt werden. Zwischen getrennten Populationen findet dadurch kein Austausch mehr statt. Die Ergebnisse der Befischungen belegen für künstliche wie natürliche Wanderungshindernisse (z.B.Kaskaden), dass einzelne Gewässerabschnitte nicht mehr erreicht werden, wobei die Forelle (Salmo trutta) noch der leistungsfähigste Fisch ist. Sie überwindet in den untersuchten Bächen Hindernisse bis 0,60 m Höhe. Die Isolation von Oberläufen hat unter reinen Artenschutzaspekten auch positive Wirkungen. So konnten für den Feuersalamander (Salamandra salamandra) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) in fischfreien Oberläufen aufgrund des fehlenden Räuberdrucks die größten Populationen festgestellt werden. Beim Steinkrebs handelt es sich in unseren Waldbächen um die letzten, hoch schützenswerten Bestände, die von der Krebspest verschont blieben. Insgesamt zeigte sich, dass an allen untersuchten Bächen künstliche Wanderungshindernisse vorhanden sind. Einzelne dieser Bauwerke müssen, wenn an diesen Gewässern nachhaltig ein "guter ökologischer Zustand" im Sinne der WRRL erreicht werden soll, abgebaut oder so umgestaltet werden, dass sie für Gewässerorganismen passierbar sind. Der Handlungsbedarf reicht von „dringend“ bis „mittelfristig“, d.h. eine Umgestaltung kann z.B. zusammen mit anstehenden Unterhaltungsmaßnahmen verbunden werden. Der finanzielle Aufwand hierfür ist vielfach gering.

Die Auswirkungen von Fichtenmonokulturen auf die Gewässerfauna wurden untersucht. Ergebnisse älterer Untersuchungen wurden nur zum Teil bestätigt. Trotz hoher Nadelbaumanteile im Gewässerumfeld wurden keine starken Verschiebungen hinsichtlich Artenzahl und Individuendichte festgestellt. Allerdings treten Veränderungen in der Zusammensetzung der Fauna bezüglich Ernährungstypen auf. So verringert sich in der Lebensgemeinschaften der Anteil der sog. Weidegänger zugunsten der Gruppe der Zerkleinerer und Räuber. Offensichtlich genügt zum weitgehenden Erhalt einer ausgewogenen Struktur des Zoobenthos wenn Laubholz, vor allem Schwarzerle, einzeln bis truppweise eingestreut am Gewässerrand vorkommt. Nach derzeitigem Untersuchungsstand besteht bei der Umgestaltung von gewässerbegleitenden Nadelholzbeständen nicht die Notwendigkeit kurzfristig ganze Bestände zu räumen. Der Umbau in einen naturnahen, bachbegleitenden Au- oder Feuchtwald kann in einem Zeitraum von ein bis zwei Jahrzehnten erfolgen.

nach oben

Autoren:

Gerhard Bönecke
Heiko Rinderspacher
Abt. Landespflege

Artikel-Datum: 01.10.2003