Auerhuhnrelevante Flächen im Schwarzwald

Herleitung der auerhuhnrelevanten Flächen
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Zu den auerhuhnrelevanten Flächen zählen:

1. Aktuell vom Auerhuhn besiedelte Gebiete
2. Flächen mit hohem und mittlerem landschaftsökologischem Lebensraumpotential für das Auerhuhn

1. Aktuell vom Auerhuhn besiedelte Gebiete

Hierbei handelt es sich um die Gebiete, die nach der aktuellen Kartierung der Verbreitungsgebiete, d.h. im Zeitraum zwischen 1998 - 2003, vom Auerhuhn besiedelt waren.

Herleitung:
Seit 1993 werden die Auerhuhn-Verbreitungsgebiete im Schwarzwald im 5-Jahres Turnus (1993, 1998, 2003) durch die FVA kartiert. Grundlage hierfür sind die Daten des Wildtier-Bestandesmonitorings, in das alle zur Verfügung stehenden Informationsquellen einfließen. Neben den Daten, die im Rahmen von Forschungsprojekten der FVA erhoben werden, zählen hierzu vor allem die Beobachtungen von Forstleuten und Waldarbeitern, Jägern, Ornithologen und Naturschützern. Die Datenerhebung erfolgt über die Wildtierbeauftragten der Landratsämter. Diese fassen alle Beobachtungen sowie indirekten Nachweise (Losung, Spuren, Federn etc.) im jeweiligen Zuständigkeitsbereich zusammen und leiten sie in halbjährlichem Turnus (Dez. - Mai / Juni - Nov.) an die FVA weiter.

Methodik der Flächenabgrenzung:
Die Abgrenzung der Verbreitungsgebiete erfolgt in Karten (1:25.000) anhand folgender Grundsätze: Als "Auerhuhngebiet" werden diejenigen Flächen definiert, für die innerhalb der letzten 5 Jahre mindestens 3 Nachweise (direkt oder indirekt) vorliegen, wobei der Abstand zwischen den Nachweisen maximal 1 km betragen darf. Die Abgrenzungen der Gebiete werden auf die im Gelände auffindbare Linien gelegt (d.h. Wald-Feld-Grenzen, Wege, Bachläufe etc.), wobei eine Abweichung von 100 m des die Nachweispunkte umschließenden, konvexen Minimumpolygons toleriert wird. Von den so definierten Verbreitungsgebieten "isoliert" (d.h. weiter als 1 km entfernt) liegende Einzelbeobachtungen/-nachweise werden zusätzlich als Punktinformation erfasst, sie gehen aber nicht in die Verbreitungskarte ein. Die Verbreitungskarte von 2003 umfasst alle Nachweise aus den Jahren 1998 bis 2003.

Detaillierte Angaben zu Methodik und Ergebnissen sind erhältlich in:
Braunisch, V. & Suchant R. (2006): Das Raufußhühner-Monitoring der FVA. Berichte Freiburger Forstliche Forschung, 64, 47 - 65. (PDF, 562KB)

2. Landschaftsökologisches Lebensraumpotential für das Auerhuhn

Hierbei handelt es sich um die Flächen, die aufgrund der landschaftsökologischen Bedingungen die Entwicklung oder den Erhalt von auerhuhnrelevanten Habitatstrukturen fördern und die daher für einen langfristigen Erhalt des Auerhuhns von Bedeutung sind.

Hintergrund:
Für den langfristigen Erhalt einer überlebensfähigen Auerhuhnpopulation im Schwarzwald ist die alleinige Berücksichtigung der aktuellen Verbreitungsgebiete nicht ausreichend, da sich diese infolge populationsdynamischer Prozesse sowie der Entwicklungsdynamik der Waldstrukturen ständig verändern. Ziel ist die Sicherung ausreichend großer und vernetzter Flächen, in denen geeignete Lebensraumbedingungen langfristig erhalten werden können.

Das Auerhuhn ist eine Indikatorart für lichte, strukturreicher Bergmischwälder borealer Prägung. Die Entstehung solcher Waldstrukturen ist stark von den landschaftsökologischen Bedingungen (z.B. Klima, Standortsbedingungen, Topografie) abhängig, auch wenn sie häufig durch die Waldwirtschaft überprägt sind. Für "Auerhuhnwälder" können beispielsweise Klima und standörtliche Bedingungen als Hauptfaktoren genannt werden. Die kurze Vegetationsperiode in Gebieten kalter Klimate ebenso wie verlangsamte Wuchsbedingungen auf nährstoffarmen oder vernässten Standorten fördern die Entstehung der vom Auerhuhn benötigten "lichten Waldstrukturen". Saure, rohhumusreiche Standorte fördern die Heidelbeere als Hauptnahrungspflanze des Auerhuhns.

Daneben bestimmen Landnutzungsfaktoren wie Waldverteilung und -fragmentierung sowie anthropogene Einflüsse wie Straßen, Siedlungen den Flächenrahmen, der als Lebensraum zur Verfügung steht.

Das Landschaftsökologische Lebensraumpotential kennzeichnet Flächen, in dem aufgrund geeigneter landschaftsökologischer Bedingungen langfristig günstige Habitatstrukturen für das Auerhuhn zu erwarten sind, oder nachhaltig mit geringem Aufwand geschaffen werden können. Es liefert keine Aussage über die aktuelle Habitateignung, sondern definiert den Flächenrahmen, in dem waldbauliche Habitatverbesserungsmaßnahmen für das Auerhuhn nachhaltig sinnvoll sind, da sie natürliche Prozesse unterstützen und ihnen nicht entgegenlaufen.

Das Landschaftsökologische Lebensraumpotential liefert damit eine Planungsgrundlage für die Priorisierung von Schutzmaßnahmen unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten.

Herleitung:


Abb. 1: Landschaftsökologisches Lebensraumpotential
für das Auerhuhn (3 Klassen) und besiedelte Gebiete.


Die Flächen des Landschaftsökologischen Lebensraumpotentials für das Auerhuhn wurden mit Hilfe eines multivariaten statistischen Modells (Ecological Niche Factor Analysis, ENFA, Hirzel et al. 2002) hergeleitet. Dieses Modell vergleicht die Bedingungen in vom Auerhuhn besiedelten Gebieten mit den Bedingungen im gesamten Untersuchungsgebiet, um die Bedeutung verschiedener Landschafts- und Landnutzungsvariablen für das Auerhuhn zu quantifizieren.

Um die Bedingungen für eine langfristige Eignung bestmöglich zu erfassen, wurden hierbei nur Gebiete berücksichtigt, die seit Beginn des Monitorings durchgehend besiedelt waren. Basierend auf den wichtigsten, unkorrelierten Variablen (Klima, Standortsbedingungen, Waldverteilung, Waldfragmentierung, Distanz zu Straßen) wurde dann das Landschaftsökologische Lebensraumpotential errechnet, wobei jede Variable entsprechend ihres Erklärungsbeitrags gewichtet in das Modell einging.

Hieraus resultiert eine abgestufte Bewertung der Potentialeignung in Werten von 0-100, wobei mit 0 bewertete Flächen kein Lebensraumpotential aufweisen, mit 100 bewertete Flächen optimal geeignet und Flächen mit dazwischenliegenden Werten entsprechend abgestuft geeignet sind.

Ergebnis:
Die aktuell vom Auerhuhn besiedelten Flächen (Stand 2003) liegen weitgehend innerhalb der resultierenden Potentialflächen. Insgesamt weist der Nordschwarzwald (nördlich der Kinzig) ein wesentlich höheres und großflächiger verteiltes Landschaftsökologisches Lebensraumpotential auf als der Südschwarzwald. Dies ist hauptsächlich auf einen geringeren Grad der Landschaftsfragmentierung sowie auf die günstigeren standörtlichen Bedingungen in den Buntsandsteinlagen zurückzuführen.

Detaillierte Angaben zu Methodik und Ergebnissen sind erhältlich in:
Braunisch, V. & Suchant, R. (2007): A model for evaluating the 'habitat potential' of a landscape for capercaillie (Tetrao urogallus): a tool for conservation planning. Wildlife Biology, in press. Die Flächen mit Landschaftsökologischem Lebensraumpotential wurden entsprechend der Höhe des Potentials in 3 Klassen eingeteilt (Abb. 1).

(1) hohes Potential (2) mittleres Potential (3) niedriges Potential

In die auerhuhnrelevanten Flächen gingen neben den aktuell besiedelten Gebieten die Lebensraumpotentialflächen der Klassen 1 (hoch) und 2 (mittel) ein, die eine Mindestgröße von 100 ha aufwiesen. Unbesiedelte Flächen der Kategorie 2, die keinen "Kernbereich" der Kategorie 1 aufwiesen, wurden nicht berücksichtigt.

3. Grenzziehung

Die Abgrenzungen der auerhuhnrelevanten Flächen wurden auf im Gelände nachvollziehbare Linien digitalisiert. Hierzu zählen: Bei fehlenden Alternativen wurden verwendet: In Einzelfällen wurde, wo keine dieser Linien vorhanden waren, Wege oder vorhandene Grenzen in der "Falllinie" oder in direkter Nord-Süd bzw. Ost-West Richtung miteinander verbunden.

4. Flächenbilanzen

Fläche im Südschwarzwald (auf 100 ha gerundet) Fläche im Nordschwarzwald (auf 100 ha gerundet)
Regelung alt:    
Fläche oberhalb 800m gesamt 166 168 ha 32 069 ha
Waldfläche oberhalb 800m 109 153 ha 30 439 ha
Regelung neu:    
Auerhuhnrelevanten Flächen 52 376 ha 62 509 ha
Flächenbilanz bezogen auf Waldflächen: - 56 777 ha + 32 070 ha

5. Literatur

Braunisch, V. & Suchant R. (2006): Das Raufußhühner-Monitoring der FVA. Berichte Freiburger Forstliche Forschung, 64, 47 - 65.

Braunisch, V. & Suchant, R. (2007): A model for evaluating the 'habitat potential' of a landscape for capercaillie (Tetrao urogallus): a tool for conservation planning. Wildlife Biology, in press.

Hirzel, A.H., Hausser J., Chessel, D. & Perrin, N. (2002): Ecological Niche Factor Analysis: How to compute habitat suitability maps without absence data? Ecology, 83: 2027-2036.