Das forstliche Versuchsgelände Liliental

Der Urwelt-Mammutbaumm

Metasequoia glyptostroboides Hu et Cheng

Die Baumart

1940 wurden in Japan fossile Reste einer Konifere aus dem Tertiär entdeckt. Der japanische Forscher Miki stellte anhand dieses Fundes 1941 die neue Gattung Metasequoia innerhalb der Familie der Taxodiaceae auf. Ende 1941 wurden von einem chinesischen Forscher bei dem kleinen Dorf Mo-tao-chi nordöstlich von Chungking am mittleren Jang-tse-kiang einige lauabwerfende Nadelbäume gefunden. 1944 und in den Jahren danach konnte von diesen Bäumen in mehreren Expeditionen Material zur Artbestimmung sichergestellt werden.

In einem rund 800 km² großen Areal wurden über 100 Exemplare der bislang unbekannten Baumart entdeckt. Sie wuchsen an Berghängen oder an kleinen Flußläufen. Der Verbreitungsschwerpunkt mit mindestens 1000 Bäumen wurde schließlich im Shui-hsa-Tal in Hupeh festgestellt. Erst 1948 erfolgte die Namengebung durch die beiden chinesischen Forscher Hu und Cheng: Metasequoia glyptostroboides Hu et Cheng. Das erstaunliche an dieser Entdeckung ist, daß erst nach der Aufstellung einer neuen fossilen Gattung, ein noch lebender Vertreter derselben entdeckt wurde.

In ihrer Heimat wird M. glyptostroboides bis zu 50 m hoch mit im Alter breitrunder Krone von bis zu 13 m Durchmesser. Stammdurchmesser von 2 m und mehr werden erreicht. Die Baumart bevorzugt frische, lockere, durchlässige Böden und ein feuchtes Klima. Im natürlichen Verbreitungsgebiet fallen hohe Sommerniederschläge (1.100 bis 1.200 mm), während die Winter trocken sind. Obwohl winterfrosthart ist sie durchaus spätfrostempfindlich.

Charakteristisch für M. glyptostroboides sind die hellgrünen, nadelförmigen Laubblätter, die zwei-reihig an Kurztrieben sitzen und mit diesen zusammen jährlich im Herbst abgeworfen werden. Die Vermehrung der Baumart gelingt sowohl generativ über Samen, wie auch vegetativ über Stecklinge.

Im übrigen ist über den Waldbau und die Holzverwendung noch wenig bekannt, da die Baumart erst seit wenigen Jahrzehnten außerhalb Chinas angebaut wird, dann meist als Parkbaum.

Der Urweltmammutbaum-Bestand

Lage und Standort

In unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Thuja plicata- und einem Liriodendron tulipifera-Bestand, gleichzeitige unweit des Mammutbaumwaldes stockt in Distrikt 1/Abt. 19 (Krummtal; Staatswald Breisach) der kleine nur 0,2 ha große M. glyptostroboides -Bestand. Der Standortkarte 1975 ist zu entnehmen, daß es sich um die gleiche Standorteinheit wie beim Mammutbaumwald handelt:

Kalkreiche Rinnen und Hangmulden

Mäßig frischer bis frischer, meist tiefgründiger, stark humoser Lehm und Schwemmlöß;

Lamium galeobdolon-, Mercurialis perennis-, Ajuga reptans-, ( Stachys sylvatica-, Urtica dioica-) Gruppe;

Mull; Braunerde aus Kolluvium.

Bestandesgeschichte und bisherige waldbauliche Behandlung

Die "Mutter"-Bäume des kleinen Bestandes im Liliental wachsen im Botanischen Garten der Universität Stuttgart-Hohenheim. DIETERICH (1957) schreibt: "Die Hohenheimer Metasequoia verdanken wir Herrn Prof. IRMSCHER (Stuttgart-Plieningen), der im Januar 1948 eine Samenprobe von Prof. MERILL (Anmerkung des Verfassers: Prof. MERILL war zu jener Zeit Leiter des Arnold-Arboretums in Boston) erhielt. Die Samen wurden in einem Gewächshaus ausgesät, es gingen 10 Pflanzen auf. Da über die Winterhärte nichts bekannt war, wurden sie in den ersten Jahren im Haus überwintert. 1952 pflanzten wir zwei Exemplare im Garten an ihren endgültigen Standort. Die Forstliche Versuchsanstalt in Stuttgart-Weilimdorf (Dr. SCHLENKER) erhielt 1955/56 eine größere Zahl Stecklingspflanzen zu einem Anbauversuch."

Ein Großteil dieser Stecklingspflanzen wurde für einen Anbauversuch im Forstamt Güglingen verwendet. Vier Bäume fanden jedoch ihren Platz im Kleinarboretum „Fasanengarten“ in Stuttgart-Weilimdorf. Sie wurden ihrerseits 1957 und 1959 zur Werbung von Sekundärstecklingen genutzt. Da die FVA vermutlich Bäume eines einzigen Klones erhalten hat, dürften auch diese Stecklingsnachkommenschaften alle einklonig sein. Ein Nachweis, z.B. über Isoenzymanalysen, steht jedoch noch aus.

Die einjährigen, bewurzelten Stecklinge wurden bis Frühjahr 1961 bzw. 1963 im Fasanengarten aufgeschult und kamen erst als 4jährige Bäumchen zur Auspflanzung ins Liliental. Sie besassen bereits Größen zwischen 130 und 150 cm.

Die erste Pflanzung 1961 erfolgte mit 65 Pflanzen im Verband 5 x 5 m, auf Lücke versetzt unter Pappel-Vorwald. 1963 im Frühjahr ergänzte man mit 17 weiteren Bäumen auf einer Teilfläche, ohne daß jedoch Ausfälle zu verzeichnen gewesen wären. Eine Beimischung wurde nicht gepflanzt. Bis 1992 hat der Bestand folgende Behandlung erfahren:

1963 (März):Entnahme protziger Pappeln
1965 (April):Räumung des kompletten Pappel-Vorwaldes
1983/84 (Winter):Reichhöhenästung (Grünästung) an allen 82 Exemplaren
1989/90 (Winter):1. Durchforstung; Entnahme von 14 Exemplaren, so daß nur noch 68 Bäume vorhanden sind

Der Bestand wurde bis 1992 regelmäßig gemulcht.

Wuchsleistungen

Um die Wuchsleistung der M. glyptostroboides auf dem speziellen Standort im Liliental beurteilen zu können, wurden beginnend im Winter 1971/72 ca. alle 5 Jahre die durch schnittlichen Baumhöhen und Brusthöhendurchmesser als Stichproben ermittelt. Die Tabelle 5 zeigt die Ergebnisse.

Alter15 Jahre20 Jahre24 Jahre31 Jahre36 Jahre
Höhe(min - max)5,4 m (4,9-6,5 m)8,8 m (7,5-9,5 m)13,2 m (12,0-14,0 m)18,2 m (16,5-19,0 m)19,8 m (18,0-22,0 m)
BHD(min -max)6,8 cm (5,3-8,2 cm)17,5 cm (12,6-19,8 cm)28,4 cm (26,0-33,0 cm)38,5 cm (31,0-45,0 cm)44,6 cm (28,0-57,5 cm)
Anzahl gemessene Bäume222322225 (Höhe) 68 (BHD)

Tabelle 5: Wuchsleistungen von M. glyptostroboides im Versuchsgelände Liliental

Auch hier ist der Vergleich mit anderen Versuchsanbauten schwierig. LEIBUNDGUT hat 1978 über eine Metasequoia-Versuchsfläche im Lehrwald der ETH-Zürich (Albisriederberg) berichtet: „Nach eher trägem erstem Jugendwachstum ist das Wachstum sehr intensiv. Bei den von uns auf 590 m ü. M. an einem Nordhang auf einem Standort des frischen Buchen-Mischwaldes angebauten Metasequoien maßen wir im Jahre 1969 bereits durchschnittliche Längen der Jahrestriebe von 106 cm. Die 18jährigen, aus Stecklingen nachgezogenen Bäumen erreichten eine Oberhöhe von 13,5 m und einen mittleren Brusthöhendurchmesser von 18,3 cm. Hinreichend lange Anbauerfahrungen zur Beurteilung der Wuchsleistungen fehlen ebenso wie Erfahrungen über die Anfälligkeit gegen Krankheiten und ungünstige Klimaeinflüsse. Unsere Metasequoien zeigten bis heute keinerlei Schäden und auch eine erstaunliche Unempfindlichkeit gegen Spät- und Frühfröste."

Vergleicht man also die Metasequoia-Stecklinge im Liliental mit denen in der Schweiz, so waren die dortigen, zumindest im Alter 18, deutlich wüchsiger. Bezüglich der Krankheitsanfälligkeit bzw. Frostempfindlichkeit können die Aussagen LEIBUNDGUT’s aus den Erfahrungen im Liliental voll unterstrichen werden.

Auffallend ist im Liliental die Spannrückigkeit der Bäume (97 %). Außerdem besitzen 38 % der Stämme flaschenförmig aufgetriebene untere Schaftbereiche. Allen Individuen gemein ist eine starke Abholzigkeit.

Ausblick

Nachdem inzwischen dichter Kronenschluß eingetreten ist, sollten die Standraumverhältnisse durch eine Durchforstung verbessert werden. Es gilt das Prinzip: lieber mäßig durchforsten, dafür aber häufiger. Ein Problem stellt die Vermarktung des spannrückigen Holzes dar. Die Stammholzstücke aus der 1. Durchforstung konnten nicht verkauft werden. Eine Verwertung als Brennholz scheiterte an der schlechten Spaltbarkeit des Holzes. Hier sind also noch Verwertungsmöglichkeiten zu suchen.

Literaturhinweise

DIETERICH (1955/56), DIETERICH (1957), FORSTAMT DER STADT KÖLN (1972), MITCHELL (1975), LEIBUNDGUT (1978)

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