Das forstliche Versuchsgelände Liliental

Der Tulpenbaum

Liriodendron tulipiferaL.

Die Baumart

Tulpenbäume waren in der Kreide- und Tertiärzeit auch in Europa beheimatet. Heute beschränkt sich das natürliche Vorkommen von Liriodendron tulipifera L. auf das östliche Nordamerika. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom südlichen Neuengland bis nach Zentral-Florida und Luisiana (29 bis 43 nördliche Breite) sowie westlich bis Michigan. Dementsprechend variiert das Klima von mäßig strengen Wintern in Neuengland bis hin zu fast frostfreien Wintern in Florida. Beste Wuchsbedingungen liegen dort vor, wo während einer langen Vegetationsperiode (180 Tage) Niederschläge gleichmäßig verteilt fallen.
Der Tulpenbaum ist eine ausgesprochene Lichtbaumart. Manche Autoren bezeichnen ihn sogar als sonnenhungrig. Im natürlichen Verbreitungsgebiet erreicht er Baumhöhen zwischen 40 und 60 m und Brusthöhendurchmesser von 100 cm. 20 m astfreier Schaft sind die Regel. Namengebend sind die hübschen orangenfarbenen Blüten, die an Tulpen erinnern. Bei ungestörtem Wuchs ist die Krone gewöhnlich schmal und kegelförmig. L. tulipifera besitzt ein gutes Stockausschlagsvermögen. Höchstalter von 500 bis 700 Jahren sind möglich.
Hinsichtlich des Standortes bevorzugt der Tulpenbaum mäßig trockene bis wasserzügige gute, lockere, physiologisch tiefgründige Waldböden. Er meidet jedoch stagnierende Nsse. Im Norden des natürlichen Verbreitungsgebietes ist er in Talniederungen bis 300 m anzutreffen, südlich in den Apalachen bis 1500 m. Im Süden stockt er mehr in wasserzügigen Senken bzw. wird zur Schluchtwaldbaumart. Insgesamt wird die Baumart als kalkhold beschrieben.
Im Naturwald ist L. tulipifera mit zahlreichen Laubbäumen (z.B. Quercus alba L., Acer saccharum Marsh., Fagus grandifolia Ehrh.) aber auch mit einigen Nadelgehölzen (z.B. Tsuga canadensis (L.) Carr.) vergesellschaftet. Sie ist damit eine ausgesprochene Mischwaldbaumart. Auf Kahlflächen stellt der Tulpenbaum als Mineralbodenkeimer eine zeitlich begrenzte Pioniergeneration dar. Reinbestände sind jedoch selten, da andere Baumarten rasch einwandern. Die Astreinigung erfolgt normalerweise natürlich. In Wirtschaftsforsten bringt der Tulpenbaum bei guter Durchforstung beachtliche Ertragsleistungen.
1663 wurde die Baumart in England eingeführt. Vermutlich war sie sogar schon früher in deutschen Gärten zu sehen. Anbauten in Deutschland haben gezeigt, daß ein leichter bis mittlerer Schirm in den ersten Jahren den Start auf der Kulturfläche erleichtert. Zumindest Seitenschutz sollte bestehen, denn L. tulipifera ist durchaus spät- und frühfrostempfindlich. Als weitere Gefährdungen haben sich Wildschäden (Verbiß, Schälschäden durch Kaninchen!), aber auch Mäusefraß (Pflanzgarten, Kultur!) herausgestellt. Probleme bereiten darüber hinaus Schnee- und Eisbruch sowie Kronenbrüche bei Sommergewittern. Hier besteht dann ein erhöhtes Risiko für Pilzinfektionen, obwohl sich Tulpenbäume erstaunlich gut regenerieren.
Das Holz ähnelt dem der Linde. Es ist eines der bestbezahlten Handelshölzer der USA. Verwendung findet es als Sägeholz (Bretter), für Möbel und Furniere, im Bootsbau und zur Zellstoffproduktion. Sonderverwendung gibt es im Musikinstrumentenbau für Pianos und Kirchenorgeln.

Der Tulpenbaum-Bestand

Lage und Standort

Als Auflockerung im ansonsten von Nadelbaumarten geprägten Krummtal (Staatswald Breisach, Distr. I/Abt. 19) fügt sich mit knapp 0,2 ha der Tulpenbaum-Bestand zwischen den Mammutbaumwald, den Thuja-Bestand und das Metasequoia glyptostroboides-Wäldchen ein. Die Baumart profitiert sichtlich von dem hervorragenden, geschützten Standort. Die Standortskarte 1975 weist den Standort der folgenden Einheit zu:

Kalkreiche Rinnen und Hangmulden
Mäßig frischer bis frischer, meist tiefgründiger, stark humoser Lehm und Schwemmlöß; Lamium galeobdolon-, Mercurialis perennis-, Ajuga reptans-, (Stachys sylvatica-, Urtica dioica-) Gruppe; Mull; Braunerde aus Kolluvium

Bestandesgeschichte und bisherige waldbauliche Behandlung

Über die Herkunft des Pflanzmaterials, das in den Jahren 1960 bis 1965 für die Bestandesbegründung verwendet wurde, liegen leider keine Nachweise vor. Bekannt ist jedoch, daß mit großen Stückzahlen nachgebessert wurde, da in den ersten Jahren zum Teil erhebliche Wühlmausschäden aufgetreten waren. Zuletzt (1965) standen Pflanzen aus dem Forstamt Metzingen zur Nachbesserung zur Verfügung, ohne daß jedoch gesagt werden kann, welcher bei der Aufnahme im Jahr 1992 noch stehenden 49 Tulpenbäume dieser letzten Lieferung zuzuordnen ist.
Gepflanzt wurde im 2,5 x 5 m Verband unter einem Pappelvorwald. Die Höhenentwicklung verlief zunächst sehr rasch. Sommergewitter führten jedoch immer wieder zu z.T. gewaltigen, mitunter sogar vollständigen Kronenbrüchen. Stark geschädigte Bäume wurden aus Sicherheits- und optischen Gründen umgehend entnommen. Eine planmäßige Durchforstung war bislang nicht möglich und nötig. Im Sommer 1992 erfolgte eine Inventur des Bestandes. Die Ergebnisse sind in Tabelle 6 dargestellt.

Geschätztes durchschnittliches Alter:30 Jahre
Baumzahl49 Stück
Mittlerer BHD35,6 cm (25,5 - 49,5 cm)
Mittlere Höhe22,5 m (21,5 - 24,0 m)
Stammformgerade: 24,5 %

wipfelschäftig: 34,7 %

gebogen: 75,5 %

Zwiesel: 16,3 %

als Folge von Wipfelbruch

Kronenbruchviele alte Brüche andeutungsweise noch zu erkennen; i.d.R. Sekundärkrone vorhanden
Tab. 6: Ergebnisse der Bestandesinventur 1992

Ausblick

Mit zunehmenden Baumhöhen und Kronendurchmessern werden weitere Stammzahlentnahmen zur Standraumregulierung erforderlich werden. Da erfahrungsgemäß jedoch jährlich neue Kronenbrüche auftreten, beschränkt sich die Entnahme lediglich auf vorgeschädigte Exemplare. Soweit möglich wird das Holz als Sägeholz vermarktet.

Literaturhinweise

SCHENCK (1939), QUERENGÄSSER (1961), FOWELLS (1965), MITCHELL (1975)

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