Der Wald in Baden-Württemberg im Jahr 2002 und seine Entwicklung seit 1987 - Die wichtigsten Ergebnisse der zweiten Bundeswaldinventur

Methodik

Waldinventuren basieren auf systematische Stichprobennetzen. Die Bundeswaldinventur-Stichproben sind in Trakten angeordnet, die ihrerseits in einem am Gauss-Krüger-System orientierten Gittenetz angelegt sind. Die Verwaltungsvorschrift schreibt ein Grundnetz mit 4 X 4 km Seitenlänge vor. In Baden-Württemberg wurde bereits bei der Bundeswaldinventur I das Netz auf 2 X 2 km, also den vierfachen Stichprobenumfang verdichtet. Die größere Zahl an Stichproben erlaubt wesentlich genauere Schätzungen sowie regional differenzierte Auswertungen. Ein Trakt ist ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 150 m (Abb. 1). Die Traktecken, die auf Wald treffen, bilden den Mittelpunkt für eine Reihe von Aufnahmeverfahren. 


Abb. 1: Stichproben - Netz mit Inventurtrakt. An den Traktecken, die auf Wald treffen, erfolgt die Datenerhebung nach verschiedenen Aufnahmeverfahren

Wesentliches Merkmal ist, dass es sich um dauerhaft unsichtbar vermarkte, sogenannte permanente Stichproben handelt. Dies bedeutet, dass bei wiederholten Inventuren die Aufnahme immer an denselben Punkten erfolgt, sofern der Wald nicht umgewandelt wird. Permanente Stichproben ermöglichen es, die Veränderungen des Waldes durch Zuwachs und Nutzung oder natürliche Mortalität genau zu erfassen. An den Traktecken werden folgende Aufnahmen durchgeführt:

  • Eine Winkelzählprobe mit Zählfaktor 4 für Probebäume mit einem BHD ³ 7 cm. Die Position dieser Bäume wird eingemessen, so dass sie bei einer Folgeinventur eindeutig identifiziert werden können. An den Probebäumen erfolgt eine Reihe von Messungen bzw. Beobachtungen (Baumart, BHD, teilweise Höhe, Stammschäden, Zugehörigkeit zu Bestandesschicht usw.)
  • In Probekreisen mit einem Radius von 1 m bzw. 1,75 m werden die jungen Bäume aufgenommen (im um 5 m vom Trakteckenpunkt versetzten Probekreis mit 1 m Radius die Bäume mit einer Höhe zwischen 0,2 und 0,5 m, im Probekreis mit Radius 1,75 m die Bäume über 0,5 m bis zu einem BHD von 6,9 cm)
  • Im Probekreis mit Radius 10 m werden der Deckungsgrad und der relative Anteil aller Bäume mit einer Höhe bis 4 m Höhe sowie von Sträuchern und ausgewählten Artengruppen der Bodenvegetation erhoben.
  • Mit einer weiteren Winkelzählprobe mit ZF 1 oder 2 (je nach Dichte der Bestockung) ohne BHD-Messung werden alle Bäume über 4 m Höhe erfasst, um auch über Bestandesgrenzen hinaus das am Stichprobenpunkt vorkommende Baumartenspektrum charakterisieren können. Zusammen mit der Aufnahme im Probekreis mit Radius 10 m bildet diese Erhebung eine der Grundlagen für die Naturnäheeinstufung.
  • Das Totholz wird in einem Probekreis mit Radius 5 m erfasst. Es wird nach verschiedenen Totholztypen (liegendes und stehendes Totholz sowie Stöcke), Holzartengruppen sowie Zersetzungsgrade unterschieden.
  • Im Probekreis mit 25 m Radius werden Geländemerkmale (Exposition, Hangneigung, Geländeform), Waldränder und Bestandesgrenzen und (in Baden-Württemberg) der Bestandestyp angesprochen.

Das gesamte Verfahren und die Aufnahmeanweisung kann im Internet unter http://www.bundeswaldinventur.de/BWIAufnahmeanweisung_2_Aufl_v2.pdf nachgelesen werden.

In Baden-Württemberg treffen insgesamt 13.619 Traktecken auf Wald (Holzboden und Nichtholzboden). Davon fallen 13.228 auf begehbaren Holzboden, auf welchem die oben genannten Aufnahmen durchgeführt werden konnten. Insgesamt wurden 96.719 Probebäume mit einem BHD ³ 7 cm mR erfasst, davon 57.162 zum zweiten Mal.

Autoren:

Gerald Kändler, Matthias Schmidt, Johannes Breidenbach
Abt. Biometrie und Informatik

Artikel-Datum: 01.01.2005

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